Wohnen Morgen – Ypernkaserne Reutlingen
Mehrfachbeauftragung · GWG Reutlingen · 2025–2026 . 1. Preis
In Kooperation mit Plan i Architekten, Reutlingen, und freiraumconcept, Rottenburg
Planungsaufgabe
Das ca. 2,4 ha große Planungsgebiet umfasst drei zu erhaltende Kasernenbauten die dem Wohnen zugeführt werden sollen, sowie weitere ehemalige Kasernengebäude, die bereits mit gewerblicher und sozialer Nutzung in Betrieb sind. Aufgabe der Überarbeitung war die Entwicklung eines gesamtheitlichen städtebaulichen und freiräumlichen Konzepts, das Bestandserhalt, Nachverdichtung, Parkierungslösung und Freiflächengestaltung in einem schlüssigen Gesamtbild zusammenführt.

Städtebauliche Struktur
Das Konzept organisiert das Quartier entlang einer diagonal verlaufenden Wegeachse – der Ypern-Alley – die das gesamte Areal von Nordwest nach Südost durchquert und als grüne Platz- und Raumfolge ausgebildet ist. An ihrem Mittelpunkt liegt das Forum: ein zentraler Quartiersplatz mit Quartierscafé, Kita-Außenspielfläche, Foodtruck-Standort und Aufenthaltsbereich für alle Generationen.
Beiderseits der Ypern-Alley werden Wohnhöfe ausgebildet – ruhige, halböffentliche Außenräume, die Bestandsgebäude und Ergänzungsneubauten räumlich verbinden. Sie bieten private Terrassen, Nutzgärten und direkte Zugänge in die Erdgeschosse.

Neubauten und Nachverdichtung
Fünf typengleiche Ergänzungsbauten werden in die bestehende Struktur eingefügt. Sie sind als modulare Hybridkonstruktion konzipiert, konsequent auf serielle Vorfertigung ausgelegt und wirtschaftlich optimiert. Die Kubatur ist kompakt, 4- bis 5-geschossig, mit vorgestellten Balkonen und einem klar definierten Schaltzimmersystem, das verschiedene Wohnungsgrößen aus einem einzigen Grundrissmodul ableitet. Im Erdgeschoss sind Kita (ca. 700 m² NF, dreigruppig) und Quartierscafé (ca. 100–150 m² NF) integriert. Eine Unterkellerung der Neubauten entfällt – Abstellräume, Fahrradstellplätze und Nebenräume sind direkt im Erdgeschoss verortet.
Freiraum und Baumbestand
Der Freiraum ist das strukturgebende Element des Entwurfs. Von den 17 wertvollen Bestandsbäumen auf dem Areal werden 15 erhalten. Die Tiefgaragen sind so positioniert, dass ihre Unterflächen minimiert werden; großkronige Neupflanzungen erfolgen erdberührt. Ein umlaufender Grüngürtel mit Retentionsmulden nimmt Regenwasser auf, hält es zurück und verdunstet es. Die Grüne Mitte im Bereich des ersten Bauabschnitts bildet das gemeinschaftliche Herz des Quartiers mit Spielangeboten, Parkwiese und Wasserspiel.

Mobilität und Parkierung
Zwei baugleiche, zweigeschossige Tiefgaragen werden jeweils mittig zwischen die Bestandskasernen eingeordnet. Ihre Geometrie ist exakt auf die Neubauten abgestimmt, sodass keine Unterbauung am Bestand erforderlich wird. Die Zufahrten erfolgen von Ringelbachstraße und Hans-Reyhing-Straße über zweistreifige Hauptrampen; ampelgesteuerte Einspurrampen führen auf die Tiefgaragenebenen. An den beiden Eingangssituationen markieren Mobilitäts-Hubs die Entrees des Quartiers. Die TG-Aufgänge sind barrierefrei in die Neubauten integriert. Das Quartier ist weitgehend autofrei konzipiert; Besucherstellplätze sind peripher und oberirdisch nachgewiesen.



